Es war ein seltsames Gefühl, das Hotel zu betreten, in dem er auf mich wartete, er, Axel, der zu diesem Zeitpunkt für mich noch ein völlig Fremder war, über den ich nicht viel wusste und von dem ich bisher lediglich ein schlechtes Foto gesehen hatte, auf dem nicht viel zu erkennen war. Seinen Vornamen kannte ich, und dass er Single war, das wusste ich, aber mehr nicht, denn bislang war es lediglich ein Kontakt über das Internet. Dort finden heutzutage ja die meisten Menschen ihre Sexkontakte … Auch dort hatten wir aber nicht sehr viele Informationen ausgetauscht, sondern einhellig beschlossen, lieber bei einem schnellen realen Treffen die Probe aufs Exempel zu machen. Schließlich kann man es eigentlich erst entscheiden, ob da etwas knistert, wenn man dem Betreffenden ganz persönlich gegenübersteht. Deshalb ist es ziemlich unsinnig, erst lange per Mail und Chat herumzumachen, wie wir beide fanden. Allerdings ist ja das Problem, dass man als Frau niemanden, den man nur virtuell kennt, beim Blind Date gleich in seine Wohnung lassen sollte. Andererseits hatte ich auch keine Lust auf ein Treffen in der Öffentlichkeit, denn wenn es dann wirklich funkte und wir Lust aufeinander bekamen, mussten wir uns da erst einmal massiv zusammenreißen, bis wir irgendwo miteinander alleine waren. Axel war es schließlich, der einen Kompromissvorschlag machte; wir sollten uns doch einfach in einem Hotelzimmer treffen. Eigentlich war das ein bisschen zu gefährlich, wenn man extrem vorsichtig dachte, denn wenn er dort etwas mit mir anstellte, war ich ja gerade nicht so geschützt wie in der Öffentlichkeit, zum Beispiel in einem Lokal. Andererseits haben die meisten Hotels extrem dünne Wände. Wenn ich dort um Hilfe schrie, kam bestimmt jemand vorbei. Viel passieren konnte mir da wirklich nicht. Also erklärte ich mich damit einverstanden. Er übernahm das alles mit dem Hotel, mietete ein Zimmer an und teilte mir dann bloß per SMS mit, in welchem Hotel und auf welchem Zimmer unsere Verabredung stattfinden sollte. Ja, und dann war ich auf dem Weg in eben jenes Hotel, natürlich ziemlich aufgeregt und nach vielen Stunden vor Kleiderschrank und Spiegel, wo ich ausprobiert hatte, wie ich am besten aussah; ich wollte ihm ja schließlich gefallen. Am Ende hatte ich mich nach langem Anprobieren und Ausprobieren für einen String Tanga in Schwarz und den Verzicht auf einen BH entschlossen. Das Treffen im Hotelzimmer beinhaltete unausgesprochen ja auch die Möglichkeit von Sex, da musste ich mir mit der Unterwäsche ebenso viel Mühe geben wie mit dem Darüber. Für das ich mich zu Strumpfhosen und einem schlichten schwarzen Leinenkleid zu hochhackigen Sandalen entschloss.
Auf diesen hohen Absätzen wankte ich nun mehr als ich sicher schritt zum Aufzug hinter dem Hotelempfang. Ich hatte das Gefühl, alle schauten mich an und wussten genau, dass ich zu einem Date ging, ganz diskret im Hotel. Dabei dachte sich wahrscheinlich niemand was; schließlich herrscht in einem Hotel ein ständiges Kommen und Gehen, und keinen kümmert es, wer da warum in der Hotelhalle herumläuft. Ich drückte den Knopf für den vierten Stock. Ängstlich senkte ich den Kopf, denn es waren noch mehrere andere Leute mit im Aufzug. Konnten die es mir ansehen, dass ich zu einem Sextreffen ging? Ich war richtig froh, dem endlich entkommen zu können. Auf dem Flur im vierten Stock überfiel mich dann allerdings erst recht die Nervosität. Mit ganz langsamen, zögernden Schritten näherte ich mich der Zimmernummer, die er mir angegeben hatte; große Schilder wiesen mir den Weg in den richtigen Bereich. Ich weiß nicht, wie lange ich vor der Tür gestanden habe, bis ich es endlich wagte zu klopfen. Statt einfach nur „herein“ zu rufen, machte er mir selbst die Tür auf und öffnete gleich die Arme. Im ersten Augenblick war es äußert seltsam, einen Fremden zu umarmen, aber es fühlte sich gut an. Ich kam mir richtig beschützt vor, denn Axel war noch größer, als ich das gedacht hatte, und er war fühlbar stark. Außerdem sah er viel besser aus in der Realität als auf dem Foto. Nachdem er mir einen Kuss auf den Mund gegeben hatte, allerdings einen sehr züchtigen, ohne Zunge, führte er mich ins Zimmer. Auf einem kleinen runden Tisch in der Sitzecke stand eine geöffnete Flasche Sekt mit zwei Gläsern. Er schenkte uns ein, wir setzten uns, prosteten uns zu. Dann herrschte einen Augenblick lang verlegenes Schweigen, bis sich endlich ein Gespräch entwickelte. Wir erzählten uns ein bisschen was, und ich wartete die ganze Zeit darauf, dass er den Übergang zwischen unserem leichtfüßigen Plaudern und dem erotischen Teil des Treffens finden würde, denn zumindest was mich betraf, so hatte ich schon längst Lust auf ihn, und so wie er mich ansah, schien ich ebenfalls seine Säfte zum Steigen zu bringen.